Kleider machen Leute
Schlaraffen hört!
"Kleider machen Leute" – mindestens seit "Soylent Grün ist Menschenfleisch" gab es keine Drohkulisse mehr die mir solche Angst gemacht hätte wie das heutige Sippungsthema. Wer wie ich bis jetzt im Glauben lebte, sein Leben wäre das gemeinsame, biologische Produkt zweier sich liebender Elternteile, der erfährt heute und nur hier, dass er genauso das Produkt von kopulierenden Latzhosen sein könnte, die bei ihrem Zeugungsakt keine weitere Latzhose, sondern eben einen Sassen erzeugt haben.
Anders kann man nur bei grobem sprachlichem Unverständnis das heutige Sippungsthema verstehen, dessen Ausschließlichkeit, seine eigene Bedeutung und Folgen meinend, in der Grausamkeit kaum zu übertreffen ist.
Natürlich gibt es auch – wie bei jedem guten Horror – positive Seiten, die man dem Thema abgewinnen kann. Eine Kleider-Elternschaft aus einer Socke und einer Pudelmütze erklärt endlich hinlänglich manche Person an der Junkeltafel, eingerittene Freunde – wenn man diese alle als Leute bezeichnen möchte, was wiederum eine andere Diskussion befeuern würde – eingerittene Freunde also werden als Misch-Beziehung aus Sandale und Schlips auf einmal zu nachvollziehbaren Produkten ihrer Elternteile.
Ich möchte hier nicht näher auf einzelne Reyche in unserem Sprengel eingehen, weil sich bei deren Elternschaft oft die Frage stellen würde, warum nicht mehr Kinder in Kleidercontainern entstehen. Aber immerhin erklärt das, warum hier in Ostwestfalen flächendeckend genau diese Kleidercontainer abgeschafft wurden – wahrscheinlich, weil die Babyklappen voll waren mit Kleider-Mischlingen, die zum Teil Wolle, zum Teil Polyacryl waren, so von keinem Elternteil wirklich geliebt wurden und am Ende – nach einer Karriere über Sonderangebot, Grabbeltisch bis Kleidersack – dann keine andere Chance mehr sahen als die schlaraffische Karriereleiter, die dann doch bis zur Uhutschisten-Sockenpuppe führen kann.
Nein, schweigen wir nicht über die Unmöglichkeit des heutigen Themas. Prangern wir offen an, was uns an Widersinnigkeiten vom Allschlaraffenrat an Themen aufgedrückt wird, ohne dass wir auch nur einen Hauch von Widerstand ihnen entgegenblasen können. Denn nicht Kleider machen Leute, sondern Leute machen Leute. Und alle jene, die nicht so handeln, als wären sie echte Leute, haben es nicht nur nicht läuten gehört, sondern sind eben noch nicht geläutert und können wahrscheinlich über Generationen nachweisen, wie viele Unterhemden in ihrem Stammbaum sind.
Wir selbst möchten abschließend anmerken, dass die Behauptungen, unser Urgroßvater mütterlicherseits, der gute alte Bunte Seidensticker wäre in Wirklichkeit ein gestärktes Oberhemd gewesen, völlig ohne Wahrheitsanteil sind und nur dazu führen, dass wir jeden, der diese unwahre Behauptung wiederholt, zum Duell fordern müssen – außer natürlich er selbst ist nur ein Nachfahre von Kummerbünden und damit nicht satisfaktionsfähig. Aber das sieht man ja glücklicherweise auf den ersten Blick.
Lulu!