Paradox

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Schlaraffen hört,

das Schöne an der Science Fiction ist doch, wie leicht sie mit Paradoxen oder Paradoxien umgehen kann.
Wer erinnert sich nicht an „Und täglich grüßt das Murmeltier“, wo der Held oder Anti-Held jedes Mal aufwacht und denselben verdammten Tag immer und immer wieder erleben muss? Ein großartiger Film, der eine Menge über die Unentrinnbarkeit der Folgen des Schicksals erzählt – oder eben über die Folgen, die unsere Handlungen haben. Viel paradoxer als die Handlung des Filmes ist aber die Information, dass der Film vor 33 Jahren in die Kinos kam.
Ähnlich ergeht es mir mit der Rettung der Erde durch den Transport von Buckelwalen aus der Zukunft in die Gegenwart. Der Film, der dieser an sich hanebüchenen Geschichte zu Grunde liegt, ist "Zurück in die Gegenwart", der vierte "Star Trek"-Film (oder für die älteren unter uns: "Raumschiff Enterprise"). Die Gegenwart, die jener Film beschreibt, ist das Erscheinungsjahr des Filmes 1986. Die gefühlte filmische Gegenwart in meinem Leben ist paradoxerweise 40 Jahre her.
Wo bleibt eigentlich der Zeitreisende aus der Zukunft, wenn man ihn dringend braucht? Wer erklärt mir, was passiert, wenn ich in die Vergangenheit reise und meinen Großvater erschieße? Kann man Geschichte verändern und ist es wirklich so, dass der Flügelschlag eines Schmetterlings einen Sturm auslösen kann? Werde ich es erleben, dass man endlich damit aufhört, unerträgliche Remakes von Filmen und Serien zu machen, die ich in meiner Kindheit gemocht habe? Warum hört die Generation nach meiner "unsere" Musik, die wiederum aber zum Teil so alt ist, dass meine Eltern sie hätten hören können? Wann kommt endlich die Revolution, bei der alle erschossen werden, die im Radio immer diese Ansage machen: "Die größten Hits der 60er, 70er, 80er und das beste von heute" – ich will nicht andauernd daran erinnert werden, wie alt ich bin oder wie alt die Musik ist, die ich gerne höre.
Gegen diese paradoxen privaten Ausreißer in die Vergangenheit der 80er-Jahre hilft die Erinnerung daran, dass die Schlaraffia damit begann, dass sie ihre Zeitrechnung 300 Jahre zurückgedreht hat. Das Mittelalter endete für viele Historiker spätestens mit dem Tod von Kaiser Maximilian II. im Jahre 1576. Maximilian wurde 1562 in Prag zum König von Böhmen gekrönt. Die Schlaraffia verschob ihre Gründung kalendarisch um 300 Jahre in die Vergangenheit in das Jahr 1559, um in Ruhe drei Jahre zu warten, bis Maximilian König werden würde.
Das wäre dann für uns als Schlaraffen endlich die Gelegenheit, sich mit Maximilians Feldherren Lazarus von Schwendi, Reichsfreiherr von Hohenlandsberg zu beschäftigen – immerhin einer der Förderer des Tokajers und damit irgendwie auch mit Münchhausen verbandelt. Aber das führt zu weit und es wäre paradox zu erwarten, dass mir bis hierher außer einem Thronsassen irgendwer mental gefolgt ist.
Zitieren wir abschließend Nikola Tesla, das geht immer: "Es ist paradox, aber wahr, wenn man sagt, dass je mehr wir wissen, desto unwissender werden wir in einem absoluten Sinn. Nur durch Erleuchtung werden wir unserer Grenzen bewusst."
Dem ist nichts hinzufügen.
Lulu!