Der Schnitter mit der kalten Sense

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Der Schnitter mit der kalten Sense
mäht durch das Leben, wo er will.
Das Werk, das wir nicht aufgezogen,
steht eines Tages einfach still.
Man sucht den Freund und sieht noch Spuren,
man hat sein Lachen noch im Sinn.
Doch alle ungesagten Worte
wehen im kalten Wind dahin.

Der Kreis, den Mond und Sonne bilden,
rollt wie ein Wagen Berg hinab –
und mancher Freund aus uns’ren Reihen
fährt mit im Wagen bis zum Grab.
Mancher starb, stark wie ein Baume,
manch einen stürzt der Blitz dahin.
Froh der, der bliebe bis zum Ende –
manch einer ging schon zu Beginn.

Alter Freund, wir seh’n uns wieder
an einer sonnenlosen See.
Du wirst unten auf mich warten,
wenn ich am letzten Ufer steh‘.
Und der Fährmann mit dem Nachen
nimmt uns die Münzen aus der Hand.
Und du wirst mich dann begleiten
in ein ew’ges Sommerland.

Der Gott, der uns das Leben schenkte,
der holt uns auch zu sich zurück.
Der Faden, welcher unser Leben,
ist ein klar begrenztes Stück.
Daher hört, die hier versammelt,
was meine Lehre aus dem ist:
Wirklich gegangen ist nur jener,
den keiner hier von euch vermisst.