Die singende Inka-Prinzessin: Unterschied zwischen den Versionen

Aus hermannritter.de
Wechseln zu: Navigation, Suche
(Die Seite wurde neu angelegt: „Manche Erinnerungen an die Phantastik in meinem Leben sind nicht an Cons, Lesungen oder Biertrinken mit Autoren geknüpft. Eigentlich kommen die meisten Erinne…“)
 
Zeile 9: Zeile 9:
 
Das Leben hat glücklicherweise nicht zu viele dieser Momente für mich übrig, sonst würde meine Seele platzen vor Freude. Und jedes Mal, wenn ich Yma Sumac höre, bin ich wieder dort. Und schaue hinab auf Kregen und Melniboné.
 
Das Leben hat glücklicherweise nicht zu viele dieser Momente für mich übrig, sonst würde meine Seele platzen vor Freude. Und jedes Mal, wenn ich Yma Sumac höre, bin ich wieder dort. Und schaue hinab auf Kregen und Melniboné.
 
<br><br><br>
 
<br><br><br>
 +
[[Kategorie:Fantasy]]
 +
[[Kategorie:Perry Rhodan]]

Version vom 9. Dezember 2023, 09:25 Uhr

Manche Erinnerungen an die Phantastik in meinem Leben sind nicht an Cons, Lesungen oder Biertrinken mit Autoren geknüpft. Eigentlich kommen die meisten Erinnerungen ohne jene Rahmenbedingungen aus, was daran liegen mag, dass irgendwie und irgendwann alles in meinem Leben mit Phantastik zu tun hat.
Mein Zugang ist überhaupt sehr eigenartig. Ich kann mir Farben und Bilder schwer merken, aber Bewegungen, Musik und – in etwas geringerem Umfang – Buchrücken und -titelbilder großartig. Dann kommen Texte in der Reihenfolge, die ich immerhin über Jahrzehnte gut memoriere, aber nicht so gut wie Bewegungen und Musik.
Daher kommt es auch, dass Bewegungen (oder einfach nur Schrittfolgen, die ich aus der Entfernung wiedererkenne) bei mir wie Musik Erinnerungen auslösen. Und das Berühren von Büchern, das haptile Erleben, das Anfassen des Fassungslosen, das ist für mich einfach eine wundervolle Freude.
Eine ganz besonders prägende und irgendwie auch banale musikalische Erinnerung bindet mich an die Stimme von Zoila Augusta Emperatriz Chavarri del Castillo. Kennt kein Mensch, ist nicht schlimm. Der Bühnenname der Dame war Yma Sumac[1], unter diesem Namen war sie deutlich bekannter (und wer sich an den Aufruhr um die singende Inka-Prinzessin erinnern kann, der ist im richtigen Fach der eigenen geistigen Memos stecken geblieben).
An mir war sie jahrzehntelang vorbeigegangen, obwohl ich eigenartige Musik schätze. Bis dann ein Freund von mir in Wien mich in sein Wohnzimmer führte und mir sagte, er hätte kurz was zu tun. Aber ob ich Lust hätte, mir etwas anzuhören. Ich nickte, er lächelte.
Im Hinausgehen drückte er den „Play“-Knopf des Kassettenrecorders. Ich weiß nicht, wie lange es dauerte, bis er wieder kam. Ich war gebannt in dieser Stimme, diesen hinauf- und hinabkletternden Oktaven, diesem Trällern, der magischen Kraft dieser Melodien.
Okay, bis jetzt kommen wir noch ohne Phantastik aus (sieht man einmal von den Filmen ab, denen „ihre Musik“ eine Rolle spielt – ich schweife ab).
Mein Freund. Der Recorder. Die Stimme.
Ich stand da also wie zur Salzstange erstarrt. Meine Augen fixierten die Umgebung, weil mehr konnte ich paralysiert nicht tun. Die Mutter meines Freundes hatte ihm Vorhänge gemacht, auf denen die Umrisse von Fantasy-Kontinenten (nach den großartigen Karten des Wiener Zeichners Erhard Ringer[2]) gezeichnet waren. Diese Mutter hatte sich große Mühe gegeben und bis heute sind die Vorhangsversionen der Karte von Kregen[3] und der von Melniboné[4] Standard meiner Erinnerung. Ich weiß noch, wie das Zimmer gerochen hat, ich erinnere mich an die unfassbaren Butter-Vanille-Kekse, an Kregen, an die Karten in der Machart von Erhard Ringer, dazu die Stimme von Yma Sumac.
Das Leben hat glücklicherweise nicht zu viele dieser Momente für mich übrig, sonst würde meine Seele platzen vor Freude. Und jedes Mal, wenn ich Yma Sumac höre, bin ich wieder dort. Und schaue hinab auf Kregen und Melniboné.