T.N.T. Smith – Der Jäger der Unsterblichen: Unterschied zwischen den Versionen

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11 „Der Tag des Götterwinds“, Hahn, 2008, Romantruhe<br>
 
11 „Der Tag des Götterwinds“, Hahn, 2008, Romantruhe<br>
 
12 „An der Brücke zu den Sternen“, Hahn, 2008, Romantruhe
 
12 „An der Brücke zu den Sternen“, Hahn, 2008, Romantruhe
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[[Kategorie:Science Fiction]]

Version vom 13. Dezember 2023, 13:31 Uhr

Unter dem Titel „T.N.T. Smith – Der Jäger der Unsterblichen“ erschienen seit 1998 alle Bände einer zwölfbändigen Serie, die zu ihrer vollständigen Herausgabe immerhin zehn Jahre brauchte. Den Anfang machte der Blitz-Verlag den Beginn mit den ersten sieben Bänden dieser an sich sehr schön aufgemachten Reihe (wozu sicherlich die Titelbilder von Stefan Theurer beigetragen haben). 2001 erschien hier der letzte Band. Band 8 „An der Brücke zu den Sternen” von Hahn war für Dezember 2001 angekündigt, ist dann aber aus welchen Gründen auch immer nicht mehr in dieser Reihe erschienen.
In selber Aufmachung erschienen die letzten fünf Bände erst 2008 bei der Romantruhe. Dünneres Papier (nicht ganz so „pulpig“ wie bei den ersten Bänden) sorgte für einen etwas dünneren Umfang, das Lesevergnügen bleibt aber gleich.
Ich sage es gleich vorneweg: Diese Serie ist eine reine Hommage an den Pulp! Wenn man sich also über Stilformen und Handlungselemente wundern sollte, die antiquiert wirken, dann ist dies von den beiden Autoren erwünscht. Und auch das häufige Auftauchen von Sex ist nicht nur ein spaßiger Handlungsbestandteil, sondern eine Reminiszenz an den glorreichen Pulp der 30er.
Weder Hahn noch Pukallus sind in der deutschen Szene unbekannte Namen. Ronald M. Hahn, genannt „der rote Hahn“, ist Jahrgang 1948. Sein erster Heftroman erschien 1971. Angeblich irrt er noch heute über Flohmärkte und versucht, die letzten Exemplare aufzukaufen und zu vernichten ... Von 1972 bis 1974 war er Herausgeber der SF-Reihe „Fischer Orbit“. Ab 1970 war er auch für zwölf Jahre Herausgeber der „Science Fiction Times“, von 1982 bis 1988 Herausgeber der „Ullstein SF“. Er schrieb bei diversen Serien mit, u.a. bei Knallern wie „Raumschiff Promet“, „Commander Scott“, „Die Terranauten“ und „Maddrax“. Bis auf „Maddrax“ hat er alle diese Serien bis zur Einstellung begleitet (leugnet aber hartnäckig, an der Serien-Einstellung schuld zu sein). Erwähnenswert sind seine Storysammlungen „Ein Dutzend H-Bomben“, „Die Roboter und wir” (als Herr Asimuff) und „Auf dem großen Strom”, die zu dem besten gehören, was der deutsche SF-Markt seit dem Krieg hervorgebracht hat. Dann wäre da noch seine Mitherausgeberschaft beim „Heyne SF-Lexikon”, seine Mitverfasserschaft bei „Donald Duck – Ein Leben in Entenhausen” und seine Arbeiten über Jack London. Seit dem mit Uwe Anton verfassten Buch über Entenhausen wissen wir auch, dass Hahn in Wirklichkeit Giselher Gockel heißt und Verfasser des Standardwerkes „Das Strapssammler-Handbuch” ist. Man sieht: Hahn ist ein überaus ernsthafter SF-Schaffender.
Horst Pukallus, ein Mensch ohne erwähnenswerte Spitznamen, ist der jüngere der beiden, Jahrgang 1949. Seit 1975 ist er freiberuflicher Übersetzer und Autor. Neben diversen Überstzungen veröffentlichte er u.a. mit Andreas Brandhorst die „Akasha“-Triologie und mit Michael Iwoleit „Hinter den Mauern der Zeit“. Erwähnenswert ist seine Kurzgeschichtensammlung „Wellenlänge der Wirklichkeit”, die seine besten kurzen Arbeiten vereint.
Zusammen sind Hahn und Pukallus die Herausgeber des Meisterwerkes ”Imperium Rhodanum” (Neuauflage beim ”verlag nummer eins” 2001). Wer das glorreiche „Imperium Rhodanum“ gelesen hat, der weiß, wie lange die Zuneigung zwischen Ronald M. Hahn und Horst Pukallus schon währt.

„Der Club der Unsterblichen” (Hahn) ist der erste Band der Serie. Im Juli 1936 beginnt der damals 31jährige Reporter Smith in Algerien, die Spur einer Gruppe aufzunehmen, die scheinbar aus Unsterblichen besteht. Begleitet von seinem Fliegerfreund Gasponi, einem entfernten Verwandten des Duce, verfolgt er eine Einheit ehemaliger Fremdenlegionäre, die aus welchen Gründen auch immer an das Geheimnis des ewigen Lebens gekommen zu sein scheinen. Sein Gegenspieler ist der deutsche Offizier Van Thal, der im Auftrag Hitlers auch nach dem Geheimnis der Unsterblichkeit suchen soll. Nicht einfach werden die Ereignisse dadurch, dass die Unsterblichen nicht als Gruppe agieren, sondern in verschiedene Fraktionen zerfallen sind, die sich gegenseitig misstrauen und betrügen. Smiths Reise führt über London und Casablanca bis nach Tripolis.
Der zweite Band, „Die Stadt unter den Bergen” (Pukallus), beginnt im Juli 1937 und führt durch den Pazifik bis nach Nepal. An Klischees sind die Bände nicht arm – hier gibt es Gelbkappenmönche und einen wahnsinnigen Unsterblichen, der sich selbst als „Kaiser der Galaxis“ tituliert. Ein späteres Verhör mit ihm (Band 3) gehört zu den besten Stellen der Serie. Drabek – so heißt der Kaiser der Galaxis wirklich – fabuliert über den Kakerlakenkönig vom Kanopus, Mu-Menschen,, Jünger von Atlantis, marsianische Vampirfrauen und Rüsselmenschen.
Band 3, „Das Kommando Ragnarök“ (Hahn), führt uns ab dem März 1938 nach Afghanistan, Istanbul und Österreich, Band 4 – „Stahlgewitter Khalkin Gol“ (Pukallus) – ab dem April von Macao durch den Pazifik. Hier trennt sich auch die Entwicklung der irdischen Geschichte – wenn man vom Handlungselement der Unsterblichen absieht – von dem unserer Erde. Es kommt zu einem Putsch von Molotow und Schukow gegen Stalin. Dieser stirbt, Berija wird verhaftet. Von dieser Entwicklung abgesehen schildern die beiden Autoren die Entwicklung des 2. Weltkriegs als Hintergrundgeschichte für ihre sich ausbreitende Handlung sehr gut – der Krieg ist da, verändert die Welt, aber er findet im Hintergrund statt, während die handelnden Figuren der Unsterblichkeit nachjagen.
Band 5, „Die Insel der Unsterblichen“ (Hahn), handelt im Dezember 1938 wieder im Pazifik.
Band 6, „Der Tempel von Bagdad”, durchbricht die bisherige Schreibreihenfolge Hahn-Pukallus, indem Hahn – aus welchen Gründen auch immer – hier einen Roman schreibt, der eigentlich Pukallus „zugeständen“ hätte. Terminprobleme? Keine Lust? Außerirdische Invasoren? Ich kenne den Grund nicht. Keiner kennt ihn. Aber Band 4 bleibt der letzte Beitrag von Pukallus zur Serie, die ab jetzt von Ronald M. Hahn alleine geschrieben wird.
1940 findet sich der Held in Bagdad. Wieder geht es um böse Nazis, Sex und die Jagd nach der Unsterblichkeit. Damit man mich richtig versteht: Viel mehr Thema wird auch sonst nicht behandelt. Es ist Unterhaltungsliteratur in ihrer besten Erscheinungsform; jene Bücher, die ich selbst „Bratz-Bücher“ nenne. „Bratz“ ist dabei das Geräusch der schnell umgeblätterten Seiten beim Lesen.
Aber die Ereignisse im Irak des Juni 1940 beschleunigen die Jagd so, dass Band 7, „Der Herrscher von Manila”, im März 1941 eine Art „Zwischenstand” der Serie beschreibt. Smith ist den Unsterblichen auf der Spur, und diese werden durch seine Taten gezwungen, sich zu organisieren. Es wird koaliert, ausgequetscht und gefoltert. Und immer klarer wird, dass hinter der Unsterblichkeit Außerirdische stehen. Ob Hahn klar war, dass die Serie hier (erst einmal) eingestellt wird? Ich weiß es nicht. Der Roman wirkt so, als wäre die Fortsetzung geplant (wie wir ja aus der Gegenwart zurückblickend feststellen können), aber nicht sicher.
Einige Jahre vergehen auf unserer Erde, aber im Hahn-Smith-Universum geht es mit Band 8 „Die Tänzerin von Kairo“ schlagartig weiter. 1942, mal wieder werden Ehemänner betrogen und Geschlechtsteile eingeführt. Rommel „panzert“ sich durch Nordafrika und Smith ist der Lösung nicht näher als ebenso in Band 9 „Die Sizilien-Affäre“. Der Titel ist doppeldeutig, geht es doch um Geheimdienste und um Sex (was mich nicht überrascht).
Eigenartige Kulte erscheinen dann in „Das Labyrinth des Schweigens“ (Band 10), es kommt „Der Tag des Götterwinds“ (Band 11) – voll mit wundervoll unterdrückter, fast schon schwülstiger Sexualität – und der Abschlussband 12 „An der Brücke zu den Sternen“.
Passend endet die Geschichte 1945. Doch es ist nicht alles erzählt; man wartet fast sehnsuchtsvoll auf das „wird fortgesetzt“, aber leider bleiben die offenen Stränge offen. Die Geschichte in den zwölf Bänden ist rund erzählt, erinnert am Ende ein wenig an Poe und Lovecraft und bleibt doch Pulp. Dankenswerterweise.
Der Schreibstil aller Romane ist flott, sie bieten intelligente Unterhaltung, die vom Pulp gelernt hat, aber willentlich in seiner Tradition steht.
Schön sind in den Romanen auch die Anspielungen aller Art, u.a. auf „Thrilling Wonder Stories”, John Lennons Vater Freddie aus Liverpool (der von Smith den Liedtext für „Help!” und einen Namensvorschlag für seinen Sohn erhält), deutsche Reichsflugscheiben, die Landeplattform F.P.1 (Albers lässt grüßen), der Roman „Der Herr des Hakenkreuzes“ (eine Verneigung vor Spinrad) und Rick, der später Chef eines bestimmten Cafes in Casablanca wird. Beschreiben könnte man die Serie stellenweise als „Corto Maltese meets Doc Savage“ – nur mit mehr Sex.
Hier ist es Pukallus, der deftiger schreiben kann; Hahn entwickelt erst im Lauf der Serie eine eigene „erotische Schreibe”. Nun, wer 150 Jahre alt ist, der darf schon ein paar ausgefallene sexuelle Wünsche haben. Ich vermute mal, dass Hahn die Sachen seiner Frau nicht zeigt – oder ihr einredet, dass er in Wirklichkeit Iny Wohlrath ist und seine Einnahmen nicht von jenen Schmonzetten stammen, die sein Namensvetter veröffentlicht.
Und – wie schon oben erwähnt – der historische Kontext wird gewahrt. So gibt es z.B. Deutsche, die aus ehemaligen deutschen Kolonien (wie Südwestafrika) stammen und den ganzen Kontext der Expansionspolitik des deutschen Reiches in die Geschichte der Kolonien einreihen können. Und wir begegnen historischen Figuren, wie Ernst Busch und seiner Kapelle. Diese Anspielung brachte mich immerhin dazu, über einen Band hinweg immer wieder „Spaniens Himmel breitet seine Sterne ...” nebenher zu hören.
Die Aufmachung ist schön, trotz der niedrigen Auflage (die erste Auflage ist mit 400 Stück angegeben) hat man sich Mühe gegeben. So erschienen Band 1 und 2 mit eingedruckter Signatur. Erwähnenswert sind erneut die guten – und zum Inhalt passenden! – Cover von Stefan Theurer. Dass die Titel immer wieder an K.H. Scheer gemahnen – nun, jene Verneigung hat Hahn politisch sicherlich Probleme gemacht, aber inhaltlich ist klar, wer an deutschen Schreibtischen der wahre Erbe von „Handgranaten-Herbert“ sein dürfte (wobei das „H“ in „Ronald M. Hahn“ damit für „Herbert“ stehen dürfte und ich den Titel „Hoden-Herbert“ für Ronald prägen möchte).

Fazit: Wer flotte Unterhaltung wünscht, die sich Mühe gibt, historische Zusammenhänge des 20. Jahrhunderts als Hintergrund zu nehmen, der ist hier richtig!

Die Romane im Überblick:
1 „Der Club der Unsterblichen“, Hahn, 1998, Blitz
2 „Die Stadt unter den Bergen“, Pukallus, 1999, Blitz
3 „Das Kommando Ragnarök“, Hahn, 1999, Blitz
4 „Stahlgewitter Khalkin Gol“, Pukallus, 1999, Blitz
5 „Die Insel der Unsterblichen“, Hahn, 2000, Blitz
6 „Der Tempel von Bagdad“, Hahn, 2000, Blitz
7 „Der Herrscher von Manila“, Hahn, 2001, Blitz
8 „Die Tänzerin von Kairo“, Hahn, 2008, Romantruhe
9 „Die Sizilien-Affäre“, Hahn, 2008, Romantruhe
10 „Das Labyrinth des Schweigens“, Hahn, 2008, Romantruhe
11 „Der Tag des Götterwinds“, Hahn, 2008, Romantruhe
12 „An der Brücke zu den Sternen“, Hahn, 2008, Romantruhe