Als ich Dieter die letzten beiden Male sah

Aus hermannritter.de
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Als ich Dieter die letzten beiden Male sah, war es immer im Krankenhaus. Und beide Male ging es um den Ablaufplan seiner Trauerfeier. Bei mir stand als Thema auf beiden Ablaufplänen, die er erstellt hatte, nur das Stichwort "Freundschaft".
Irgendwie bin ich ihm dankbar dafür. Das Thema hätte ja auch "Wie bringe ich Menschen auf einer Trauerfeier zum Lachen" heißen können oder "Wie ist das so als Fremder unter lauter Ostwestfalen?".
Dieter wählte das Thema Freundschaft für mich. Nicht mein Lieblingsthema, das wusste Dieter. Ich finde in meinem Charakter viele Parallelen zu Dieters Charakterzügen – nur waren sie bei ihm irgendwie alle viel edler, viel weiser, viel tiefsinniger als bei mir. Ich kann mich nur damit herausreden, dass ich zwei Jahrzehnte jünger war als er. Vielleicht hat er sich all das in den Jahren antrainiert, was mir dann Anspruch sein muss, dass ich es ihm ähnlich tun darf.
Dieter war kein einfacher Mensch. Aber hinter den vielen Masken aus seiner Schlitzohrigkeit, seinem hintersinnigen Humor, seinem unfassbaren Humanismus und seiner breiten Allgemeinbildung war er ein liebenswertes Unikum, wie es heute nicht mehr hergestellt wird. Sein Lebensweg war krumm und schief und führte doch am Ende zu einem Gipfel, von dem er herunterschauen konnte auf sein Leben. Am Ende war er zufrieden mit sich und der Welt.
Dieter hat mich in seinem Leben drei Mal zum Weinen gebracht. Das erste Mal, als ich einen von seinen mit handgemalten Bildern verzierten Briefen öffnete, in dem er mir seine Freundschaft anbot. Schriftlich, damit wir es beide nicht leugnen konnten, das es passiert war. Das zweite Mal habe ich geweint, als ich beim letzten Besuch das Krankenhaus verlassen habe. Wir zwei hatten uns über das Ende unterhalten, über die Angst oder Nicht-Angst. Ich zitierte Curd Jürgens: "Ich habe keine Angst vor dem Tod. Ich habe Angst vor dem Sterben." Damit war er einverstanden. Und dann schickte er mich fort mit den Worten "Lass mich jetzt alleine. Ich bin müde." Er war müde am Leben und es war ein Abschied für immer. Ich wusste es und er wusste es. Aber wir hatten alles gesagt.
Das dritte Mal habe ich gestern geweint, als ich diesen Text schrieb. Weil ich einen Freund verloren habe. Und Freundschaft ist ein Geschenk, das man so selten erhält, dass man es jedes Mal ehren muss. Und davon erzählen – lieber Dieter, das habe ich jetzt für uns beide erledigt, wie du es dir gewünscht hat. Bestelle mir doch bitte wenn es für mich soweit ist in Folkwang einen Kaffee.
Lulu!