Die Fluchweberin

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Brigitte Melzer
DIE FLUCHWEBERIN
Titelbild: Creatio Imaganis
Ueberreuter
384 Seiten

Ich sage es gleich: Ich habe mich köstlich unterhalten gefühlt. Melzer ist eine gute, sprachsichere Autorin, die eine Teenie-Hexe-Geschichte in einem Internats-Setting irgendwo zwischen HARRY POTTER und SCHRECKENSTEIN hervorragend rüberbringt.
Das Setting ist die Jetztzeit, aber eine Parallelwelt, in der Magie existiert: »Anfang des 18. Jahrhunderts jedoch war man einer Verschwörung auf die Spur gekommen. Zaubernde hatten sich zusammengeschlossen und schmiedeten Pläne, Königin Anne zu stürzen und die Herrschaft über England an sich zu reißen.« (S. 8) Schön sind die Momente, wo sie moderne Technik der Idee der Magie anpasst, so die Idee der Magie-Scanner, welche eingehende Post überwachen (S. 223), oder die magischen Selbstmordattentäter, welche Gerechtigkeit für ihre Sache fordern (S. 245 f.).
Es geht um eine 17jährige Protagonistin, die den Tod ihrer Eltern verkraften muss, die als illegale Zauberei-Anwender von einer an eine Anti-Magie-Gestapo erinnernden Einheit ausgelöscht worden sind. Es geht um Liebe zwischen ihr und einem Jungen, der neu auf das Internat kommt – immer von ihrer Angst getragen, dass man erfahren könnte, dass sie auch eine Hexe ist.
Das klingt, als könnte es in Kitsch und Schund abgleiten. Tut es aber nicht, weil Melzer eine gute Geschichte zu erzählen weiß.
Ihre Schulbeschreibungen (Alltag, Räumlichkeiten …) sind gut, ihre Magie-Ideen schlüssig und flüssig lesbar: »Ich steckte Kims Haare in ein kleines Tütchen und packte sie zusammen mit einem Feuerzeug, Räucherstäbchen, einem kupfernen Aschenbecher (…) und einer Mischung getrockneter Kräuter (…) in einen Leinenbeutel.« (S. 125)
Schwierig ist nur, dass sie sich offensichtlich über Runen wenig informiert hat, bevor sie diese über Tätowierungen als magischen Schutz einbauen wollte. Runen sind Buchstaben, nichts was man »mit ein paar Pinselstrichen« (S. 283) erzeugen kann, schon gar sind sie keine »verschlungenen Schriftzeichen« mit »Ranken und Kreisen« (S. 299). Und das relativ späte Auftreten von Dämonen als real existierenden außerweltlichen Personen bricht das Setting ein wenig.
Trotzdem: Gut zu lesen. Bratz!