Schlittenhunde

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Schlaraffen hört!

Das Heranziehen von Nachwuchsschlaraffen ähnelt dem Lenken eines Schlittens über glattes Eis. Die vier Schlittenhunde, nennen wir sie Freundschaft, Kunst, Humor und Toleranz, versuchen sich gegenseitig zu überholen, sie wetteifern darum, als erste ins Ziel zu kommen – aber sie haben auch Angst vor dem eisglatten Untergrund.
Dazu kommt, dass jeder Schlittenlenker eine andere Karte bei sich trägt, andere Informationen über die Fähigkeiten der Hunde hat und glaubt, dass die Tipps von älteren Hundelenkern Gold wert sind, weil die es ja irgendwie geschafft haben, im Krisenwinter aU 109/110, kurz nach dem Gipskrieg, den Schlitten fehlerfrei über das Eis zu lenken.
Das Gegenteil ist der Fall. Eigentlich sollten wir geläutert sein, denn irgendwann haben auch wir begriffen, dass unsere Eltern nicht jeden Tag bergauf bei Schnee und Gegenwind in Holzschuhen und kurzen Hosen 35 Kilometer bis zur Schule gehen mussten, wo sie dann unter Peitschenhieben oder ab 1982 Elektroschocks nach drei Stunden assyrischer Grammatik noch höhere Mathematik, die zweihundert einfachsten Kartoffelrezepte, Sticken, Nähen, Stricken, Operationen am offenen Herzen, mittelhochdeutsche Lyrik und das Basteln von Schnittblumen lernten.
Ebenso müssten wir wissen, dass schlaraffische Erfolge nur im Rückblick größer, im Blick nach vorne aber kleiner werden, schlaraffische Begriffe mit erhöhtem Quell-Genuss eher unklarer denn klarer werden und die Unterscheidung zwischen Basta-Ritter, Zasta-Ritter, Rasta-Ritter und Lasta-Ritter auch Thronsassen nur unter Einsatz von effizienter Erleuchtung möglich ist.
Aber um das Defizit, mit dem man als Sasse im Reych neu anfängt, auszugleichen, bedarf es des Durchlaufens eines schlaraffischen Curriculums, das nur die stärksten überstehen und das deswegen in der Porta Westfalica seit den grausamen Vorgängen aU 131 überhaupt nicht mehr angewandt wird.
Dieses Curriculum umfasst alle Bereiche des schlaraffischen Lernens und wird in Sonderveranstaltungen, gerne in der Sommerung, unter Ausschluss der Öffentlichkeit in rauchgeschwängerten Räumen angeboten.
Es umfasst eine kurze Geschichte der Schlaraffia von der "Arcadia" bis heute. Danach folgen "Spiegel & Ceremoniale" in einfacher Sprache, Heraldik und Semantik des zutreffenden Hausgesetzes, einfache Benimmregeln und die berühmte Schulung "Ein Witz für alle Fälle", bei der Monty Python an kleinen Ausschnitten so lange erklärt wird, bis es niemand mehr versteht.
Eingegangen wird zusätzlich auf die besonderen Aspekte jedes der vier Grundpfeiler der "Schlaraffia" – anschaulich geschildert an Fragen, die auch ein Knappe versteht:
"Heißt Freundschaft auch, dass ich der Burgfrau meines Paten nicht sage, dass wir in der Sommerung nicht sippen?"
"Ist das Kunst oder kann es weg?"
"Ich habe den Humor nicht verstanden, obwohl der Thron den Witz gemacht hat – muss ich jetzt das Reych wechseln?"
"Muss man auch schlechten Fexungen gegenüber tolerant sein und wenn ja, wie weit?"

Den Missstand an der Junkertafel wohl wahrnehmend erklärt sich der Thron hiermit bereit, dieses Curriculum für die nächste Sommerung vorzubereiten, erwartet aber zeitnah von der Junkertafel Angebote, in welcher Form und mit welchem Füllhorn an Labsal er gedenkt, dieses Entgegenkommen mit entsprechenden Pretiosen im Vorhinein durch Huldigung zu antizipieren und seine wissenslose, einer Larve auf dem Weg zum Schmetterling gleichende Vorerwartung so lange zu zügeln, bis der Thron willens ist, diesen Wunsch zu erfüllen.

Am Ende der Schulung im brutalen Curriculum haben wir immer noch nicht dieselbe Karte. Und wir wissen immer noch nicht, welcher Hund der schnellste ist oder wie wir über das Uhu-verdammte Eis kommen.
Aber dann ist es uns egal.

Lulu!